Liebe Leute,

was war denn gestern los? Mein Schrittzähler zeigt 24.000 Schritte an und meine Füße tun entsprechend weh. Zeit, mal kurz zurückzudenken und Revue passieren zu lassen.

Also, ich stand so im Friedenspark. Der Vormittag war schon gut im Gange. Da stand so ein riesiges, in blauer Folie eingepacktes Ding auf der Frühlingswiese, und auf der Friedensbank saß ein Typ vor seinem Anhänger und sortierte Kabel. Er entpuppte sich später als DJ Stephan. Dann habe ich noch von DJ Felix Arnold Kabelbrücken und Verlängerungskabel entgegengenommen. (Danke übrigens für die nicht aufgeschürften Knie durch Stolperfallen.)

So, und dann ging alles relativ schnell. Also so ungefähr zwischen 10:30 Uhr und 13:30 Uhr schlägt mein Schrittzähler aus und meine Erinnerungen verblassen. Plötzlich stand ich in einem komplett veränderten Friedenspark, umgeben von unterschiedlichsten Menschen, Ständen, Gerüchen, Lachen und Musik.

Kurz völlig überfordert begab ich mich auf eine Orientierungsreise.

Da stand ich erstmal bei einer Frau von Transparent SOE. Die hatte ein Kind dabei und verkaufte Schuhe für meinen großen Zeh – oder halt für Kinder. Für mich gab es also nichts, aber andere Schnäppchenjäger*innen hatten offenbar schon gewartet.

Dann bin ich weitergezogen und habe Frau Lobe, unsere Bürgerpolizistin, dabei beobachtet, wie sie Leute beobachtet, die am Rad drehen. Also eigentlich nichts Neues. Die haben allerdings etwas gewonnen, wenn das Rad angehalten hat.

Danach stand ich in der Schlange am Kuchenstand der GS Am Friedenspark und beobachtete Kinder im hoffentlich vom TÜV abgenommenen nostalgischen Kettenkarussell. Auf einmal wurde mir allein vom Zuschauen schlecht – da hatte ich aber schon Kuchen in der Hand.

Den wollte ich eigentlich zu meiner Kollegin Amrei bringen, wurde dann aber von den Schüler*innen erinnert, die einen Kasten Mate zu ihrem bunten AG-Courage-Stand vom Schiller-Gymnasium schleppten. Da fiel mir ein, dass ich Durst habe.

Auf der Suche nach einer kühlen Erfrischung lief ich mit meinem Kuchen am Kinderschminkstand der Polizei Pirna vorbei und fragte mich, wie mir wohl ein Schmetterling im Gesicht stehen würde. Allerdings wollte ich den Beamtinnen mein verschwitztes Gesicht nicht zumuten.

Also bog ich zum Salvador-Eiswagen ab und stillte meinen Durst mit einer Eisschokolade.

Nun stand ich mit einem Kuchen in der linken und einem leeren Becher in der rechten Hand am Mobilen Offenen Treff vom Hanno und war über den Anblick meines leeren Bechers etwas traurig. Ich bewunderte die Tätowierungskünste meiner Kollegin und fragte, ob das eigentlich weh tue. Ich hatte mal gehört, dass so etwas weh tut. Die Frage war wohl zu komplex, denn sie blieb unbeantwortet.

Naja, da stand ich dann zwei Meter weiter an der Sammelkartenbörse und bewunderte die Pokémon-Aufsteller vom EDEKA Scheunenhofcenter. Einige Kinder waren fleißig am Tauschen. Meinen Kuchen wollte allerdings niemand tauschen.

Traurig fand ich mich anschließend am Stand des KSB wieder und wollte gern mein Flitzi-Abzeichen absolvieren. Allerdings gab es einige Probleme mit meiner Wade. Nächstes Jahr kann ich es bestimmt wieder versuchen.

Gezielt suchte ich dann einen deftigen Frustvernichter und näherte mich der Pommesbude der Familie Mathe. Wurde dann aber vom Tumult am Bastelstand des Jugendrings SOE beim Projekt Flexjuma abgelenkt. Mein schönes, geschenktes Friedifest-Armband zierte inzwischen mein rechtes Handgelenk.

Freudig machte ich mich auf den Weg zum Programm. Nur siehe da: alles verpasst. Kein Lessingchor der GS Lessing, keine Schillerband vom Schiller-Gymnasium, kein Bläserquartett. Keiner mehr da. Da wurde ich wieder traurig.

Zum Glück gab es den riesigen Trost-Teddy der Johanniter-Unfall-Hilfe Pirna. Er spendete allerdings nur kurz Trost, weil ich mich plötzlich fragte, wie das Fest wohl von oben aussehen würde.

Also stellte ich mich am Kletterturm des SBB Pirna an. Als ich bemerkte, dass ich entweder riesengroß oder einfach deutlich älter als alle anderen Wartenden war, zog ich mich wieder zurück. Das war natürlich der einzige Grund. Höhenangst spielte dabei überhaupt keine Rolle.

Bewundernswert waren auch die reichlich bestückten kulinarischen Stände der Goethe. Sie weckten mein Interesse. Allerdings wurde ich immer wieder von rennenden Kindern aufgehalten. Zum Glück war die Polizeibehörde vor Ort und hat gleich die Geschwindigkeit gemessen: 28 km/h! Das gibt ein ordentliches Bußgeld.

Dann stand ich bei Frau Hartmann von der ASG und staunte über die Tischtennisfähigkeiten einiger Menschen. Die Bälle flogen in einer Geschwindigkeit über die Platte, bei der ich teilweise nicht mehr sicher war, ob das noch Tischtennis oder bereits Quantenphysik war.

Hätte ich nicht noch meinen Kuchen in der Hand gehabt, wäre das sicherlich ein spannender Wettkampf geworden. So blieb mir allerdings nur die Zuschauerrolle. Vermutlich auch besser für den Kuchen.

Gegenüber vom Goethe-Stand saßen René Donath und einige junge Menschen und bemalten fleißig Fliesen. Da fiel mir ein, dass ich noch etwas erledigen wollte.

Also rührte ich Kleber an, um die Kunstwerke an der FriediGallery anzubringen. Da fragte mich René allerdings, wer mich beraten hätte. Man müsse die Fliesen schließlich erst lackieren und so weiter.

Naja, dann halt später. Aber bald, versprochen.

Nun blieb, denke ich, nur noch wenig Zeit für eine Leberkässemmel, und ich suchte den kürzesten Weg zum Förderverein der OS Goethe. Doch da kam mir plötzlich ein ungefähr zwei mal ein Meter großer Schrank entgegen, der zwei Bänke trug, als wären das Federn.

Ich baute mich vor ihm auf und versuchte, ihn aufzuhalten. Ich wollte schließlich noch nicht gehen. Allerdings schob er mich mit seinem kleinen Finger zur Seite. Auf seinem Hemd stand „Polizeibehörde“, deshalb habe ich das erstmal so akzeptiert.

Nun war es soweit. Ich schloss kurz die Augen. Als ich sie wieder öffnete, war der Park leer.

Also war alles doch nur ein Traum.

Oder halt nicht.

Schwer zu unterscheiden.

Egal – Traum oder nicht: Es war ein Mega-Fest und ich bedanke mich bei allen Menschen, die auf ihre Art und Weise dazu beigetragen haben!

Und weil ich ohnehin schon etwas desorientiert wirkte, starte ich jetzt einfach in die Weihnachtsseason und freue mich auf das Weihnachtsgetümmel am Donnerstag vor dem 1. Advent.

Merry Christmas und schönen Sommer!

Und wer diesen Text tatsächlich bis hierher gelesen hat, bei dem ist vermutlich inzwischen schon Weihnachten geworden.

P.S.: Ich vermisse übrigens noch meinen Kuchen. Falls ihn jemand gesehen hat oder er inzwischen gegen Pokémon-Karten getauscht wurde, bitte bei mir melden.

Euer André
(HANNO e. V.) vom Netzwerk Altstadt